Schmaler Durchgang

Unterwegs auf dem Waldstätterweg – Etappe 2 von Vitznau nach Küssnacht am Rigi

Mit eher gemischten Gefühlen nehme ich die 2. Etappe des Waldstätterweges, bei Nieselregen unter die Füsse. Die zweite Etappe überzeugt im ersten Teil und enttäuscht im weiteren Verlauf. Aber lesen Sie selbst…

Region:Vierwaldstättersee, Zentralschweiz
Tour Datum:06.09.2020
Wandern Schwierigkeit:T1-T3 – Wandern (siehe » Alpinwanderskala)
Wegpunkte:» Vitznau Station – Husen – Langwilen – Pt. 777 – Lützelauerwald – Chesteneweid – Bodenberg – Rigiblick – Zopf – Halde – Greppen – Eichholtern – Küssnacht Bahnhof
Karten:Landeskarte 1:25 000, Blatt 1151 Rigi
geo.admin-Karte: Digitale Wanderkarte
Zeitbedarf:ca. 5 Stunden
Aufstieg:ca. 350 Höhenmeter
Abstieg:ca. 350 Höhenmeter
Für Kinder:Spielplatz am See in Küssnacht, Badestellen am See
ÖV-Anbindung:SBB Bahnhof Küssnacht, Busstation Vitznau Station

Vitznau Station – Ende und Anfang

Der Startpunkt der zweiten Etappe liegt mitten in Vitznau, dort wo die Rigibahn am Ufer des Sees auf Gäste wartet. Bei dem dunkeln und drohenden Grau des Wandertages werden wohl kaum viele Besucher auf die Rigi strömen. Dafür strömt das Wasser vom Himmel. Leichter Nieselregen war angesagt, ab 9.30 nachlassend. Hoffen wir, dass zumindest die Zeitangabe stimmt. Das Wetter passt jedenfalls zum Ende der letzten Etappe. Genau hier war nach vielen Kilometern auf Asphalt Schluss mit Wandern. Mal sehen, was die nächste Etappe bringt.

Zu Beginn auch hier – Asphalt. Verständlich, führt der Weg hinauf in die Flanke der Rigi doch zuerst durch Wohnquartiere. Interessantes Detail am Strassenrand sind die Erdhäuser der Siedlung »Husen«, Terrassenhäuser im Berg. Kurz nach der Siedlung ist fertig Asphalt, der Wanderweg verlässt die Strasse und steigt weiter stetig an. Es folgt nochmals ein kurzes Stück auf Asphalt, bevor der Weg die Zivilisation für längere Zeit hinter sich lässt. Während dem Aufstieg entschädigt der Ausblick über den Vierwaldstättersee für die Strapazen. Inzwischen ist 9.30 vorüber und der Regen lässt nach.

Der alte Weg durch die Molasse

Beim Weiler Oberwilen folgt nochmals ein schmackhafter Aufstieg über 100 Höhenmeter. Mit 777 Metern über Meer wird der höchste Punkt der Wanderung erreicht. Auch hier laden Sitzbänke, wie auf der gesamten Strecke in regelmässigen Abständen, zur Rast. Über zu wenig Möglichkeiten zur Rast kann man sich auf dieser Etappe sicher nicht beklagen. Es folgt ein steiler Abstieg, quer durch die imposante Molassestufe der Rigi im Lützelauerwald. Dank Treppen ist der Abstieg gut machbar. Allerdings ist der Weg teilweise sehr ausgesetzt und rutschig. Die schmalen Pfade sind streckenweise direkt in die Nagelfluh gehauen. Bei Nässe muss der Weg mit äusserster Vorsicht begangen werden, es gibt mehrere Stellen mit Absturzgefahr. Kinder vorsichtshalber gut sichern und beaufsichtigen.

Der schmale Pfad durch die Felsen überrascht. Gewaltige Blöcke liegen herum, es plätschert und tropft. Es würde nicht verwundern, hier Trolle, Elfen und ähnliche Fabelwesen zu sehen. Das Wetter an meinem Wandertag tat das seinige zur mystischen Atmosphäre bei. Wunderbar. Der Weg ist uneben und ruppig. Kaum zu glauben, dass dieser Weg einst die einzige Landverbindung zwischen Weggis und Vitznau war. Eine kurze Gasse lässt mich Schiller zitieren

Chesteneweid – Kastanien fürs Volk

Der Weg verlässt schliesslich den dunklen Wald und führt über die Chesteneweid weiter nach Weggis. Die Weid ist, wie der Namensteil »Chestene« zeigt, eine Kastanienweide. Ein einzigartiges Zeugnis der einstigen Kastanienkultur in der Zentralschweiz. Nicht nur die Tessiner haben die Kastanie gepflegt sondern auch die Zentralschweizer. Jahrhundertelang waren die Früchte der Kastanie wichtig für Mensch und Tier. Seit 2012 wird die Weide wieder gepflegt und neue Bäume gepflanzt. Und man darf die Früchte vom Boden auflesen – Kastanien fürs Volk also.

Die Weide ist ein regelrechter Gegensatz zum vorherigen Wald. Von Licht durchflutet, offen und nicht mehr so abschüssig. Eine Ziegenherde äst fröhlich meckernd unter den Bäumen.

Um Weggis herum

Mit dem Weiler Riedsort/Bodenberg kehrt die Zivilisation zurück, damit leider auch der Asphalt. Der weitere Weg führt etwas verwirrend, aber stets gut beschildert, am Zentrum von Weggis vorbei, unter der Seilbahn nach Rigi Kaltbad hindurch. Kurz verlässt der Weg die Strasse um bei einem Kreisel wieder auf Asphalt zu treffen. Unter der Strasse hindurch und rechts, geht es durch den Ortsteil »Zopf«, vorbei an Industrie und einem Bauernhof-Camping-Platz, hinab zum See.

Dem See entlang führt ein schöner Waldpfad. Der See ist zum Greifen nahe, am liebsten würde man bis Küssnacht so weiter wandern. Leider hat der Weg eine andere Route. Es folgt ein weiterer Aufstieg zum Bauernhof »Halde«. Dort befindet sich ein lauschiges Restaurant, so dass der Aufstieg versüsst wird und man in Ruhe wieder zu Kräften kommen kann. Anschliessend folgt der Weg ein Stück der Strasse um dieselbe zu queren und durch Obstplantagen nach Greppen zu führen.

Greppen – Des Weges grösste Scheusslichkeit

In Greppen führt die Wegmarkierung »98« durch ruhige Quartiere, quert die Kantonsstrasse und führt abseits davon, vorbei an alten Hotels aus dem letzten Jahrhundert, stetig auf Küssnacht zu. Nach Greppen folgt der wohl hässlichste Teil der ganzen Wanderung. Ich empfehle in Greppen den Bus zu nehmen. Zumindest bis zur Station Eichholtern. Den der Weg folgt nun über einen Kilometer der schwer befahrenen Kantonsstrasse. Der Fussweg ist zugleich Radweg. Nur ein schmaler Kiesstreifen ist für Wanderer reserviert. Dieses Wegstück ist eine Scheusslichkeit.

Anmerkung: Es gibt in der Flanke des Seebodens einen Bergweg, welcher ebenfalls nach Küssnacht führt. Er ist aber deutlich länger und nicht Teil des offiziellen Waldstätterweges. Er ist aber sicher eine gute Alternative zu dieser Streckenführung.

Bei der Bushaltestelle Eichholtern verlässt der Weg endlich die Kantonsstrasse und wandelt über Felder und Wiesen nach Küssnacht. Der weitere Weg zum Bahnhof verläuft zuerst durch Wohnquartiere und schliesslich der Seepromenade entlang. Viele Bänke laden nochmals zu Rast und Innehalten.

Fazit

Auch die zweite Etappe des Waldstätterweges hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Wunderbare Passagen wechseln mit lieblosen Verbindungswegen auf Hartbelag ab. Und das Stück von Greppen bis Eichholtern ist eine Zumutung. Aber die zweite Etappe ist um einiges schöner zu begehen als die vorherige. Ich lasse mich jedenfalls nicht abschrecken und werde auch noch die weiteren Etappen unter die Füsse nehmen.

Für Kinder hat diese Etappe nicht viel zu bieten. Wohl gibt es schöne Spielplätze am Weg und kann an vielen Orten im See gebadet werden, aber für Kinder gibt es definitiv schönere Wege. Für Erwachsene auch.

Warnung: Die Passage des Lützelauerwaldes (Leiternweg) ist bei Nässe gefährlich. Der Weg ist rutschig und ausgesetzt.

Links:

Fotos der Wanderung:

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