Türmlischulhaus Höri

Frühlingsbummel der Glatt entlang

Der Frühling zieht langsam ins Land. Noch ist die Natur im Winterschlaf, aber die Sonne wärmt beständig mehr. Zeit für einen Sonntagsspaziergang um Sonne und frische Luft zu tanken. Der Flusslauf der Glatt, zwischen Niederglatt und der Mündung bei Glattfelden, ist so früh im Jahr noch nicht von Massen von Radfahrern und Inlineskatern bedrängt. Ideal für einen gemütlichen Bummel.


Region: Zürcher Unterland, Glatttal
Tour Datum: 26.02.2017
Wandern Schwierigkeit: T1 – Wandern (siehe » Alpinwanderskala)
Wegpunkte: » Höri – Jakobstal – Bülach – Hochfelden – Höri
Karten: Landeskarte 1:25 000, Blatt 1071 Bülach; geo.admin-Karte: Digitale Wanderkarte
Zeitbedarf: ca. 2 gemütliche Stunden
Aufstieg: unbedeutend
Abstieg: unbedeutend
Für Kinder: Sportanlage Hirslen (Hallenbad, Eisfeld, Minigolf), Spielplatz in Hochfelden
ÖV-Anbindung: Bushaltestelle Höri Gemeindehaus und Oberhöri

Der Gletscherhobel

Wer das Glatttal besucht, wird sich fragen, wie dieser nette, kleine Fluss dieses breite Tal wohl geschaffen hat. Nun, die Glatt konnte in der Vergangenheit auch anders, überschwemmte oft Felder und Dörfer, aber für das Tal ist sie nicht verantwortlich. Das Tal haben die Gletscher der letzten Eiszeit ausgehobelt und abgeschliffen. Bei ihrem Rückzug liesen die Eismassen viel Kies, Findlinge und ein breites Tal zurück.

Netterweise haben die Gletscher das Tal sehr flach ausgehobelt, so dass es heute ein ideales Naherholungsgebiet für Spaziergänger, Radfahrer, Inlineskater etc. ist. Vom Greifensee bis zur Mündung in den Rhein ist das Gefälle nur homöopatisch. Richtig gemütlich. Ideal um mit kleinen Kindern eine erste Radtour zu unternehmen. Aber wir wollen heute nicht fahren sondern gehen.

Wenig Verkehr im frühen Jahr

Wir starten unseren Tippel in Höri, einem Dorf an der Glatt. Die Bushaltestelle Oberhöri liegt gleich neben dem Fluss, bequemer kann man fast nicht starten. Die Glatt hat auf der ganzen Länge zwei verschiedene Wege. Auf der einen Seite einen asphaltierten Velo-, Töffli-, Skater-Weg und einen Wanderweg mit Kiesbelag. Im Sommer ist der Wanderweg definitv besser für Fussgänger, der Verkehr auf der anderen Seite ist manchertags wie am Gotthard.

Das ausnutzen der ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Februar hat den Vorteil, dass der Glattuferweg nur wenig benutzt wird. Deshalb folgen wir dem asphaltierten Weg flussabwärts und kehren auf der anderen Flusseite zurück. Auch das ist ein Vorteil dieses Uferweges. Unzählige Brücken ermöglichen ein umkehren nach Lust und Laune.

Landwirtschaft, Industrialisierung und Sport

Von Höri aus folgen wir dem Fluss seiner Mündung zu. Rechts der sanft fliesende Fluss, links landwirtschaftlich genutzte Flächen. Nach und nach verengt sich das Glatttal einwenig. Auf beiden Seiten des Flusses erheben sich sanfte Hügel. Wir erreichen das Jakobstal, einst Arbeitersiedlung einer alten Spinnerei.

Im Gegensatz zur alten Arbeitsstätte, ist die Wohnstätte wohnlich geblieben. Die Häuser sind gepflegt, es ist ruhig hier. Die alte Fabrik hingegen dämmert dem endgültigen Ende entgegen. Nach vielen Jahren unter Schutz, merkwürdigen und unsinnigen Projekten, mehreren Brandstiftungen und Vandalenbesuchen ist heute nur noch eine fürchterliche Ruine übrig geblieben. Schade um die einst stattlichen und durchaus sehenswerten Gebäude aus der Industrialisierung.

Seit vielen Jahren schon, muss das Fabrikgelände umgangen werden. Irgendwann, nach Beendigung der A51-Sanierung, sollen die Ruinen abgerissen werden. Was aus der Brache werden soll, ist noch unklar. Weitere Projekte werden folgen…

Bald nach den Ruinen passieren wir die Sportanlage Hirslen. Sport ist hier Trumpf. Der Sporthallen-Neubau gleich daneben, ist ein krasser Gegensatz zur vorherigen Ruine. Interessantes Detail, noch vor etwa 30 Jahren stand auf dem Platz des Neubaus, auch eine Spinnerei. Ebenfalls aufgelassen und bald schon in desolatem Zustand.

Hochfelden – Pittoreskes Dorf und Naturschutzgebiet

Das Dorf Hochfelden wird mit dem Glattuferweg eigentlich umgangen. Wer Lust hat sollte den Abstecher ins Dorf wagen. Die schönen, alten Riegelhäuser zeigen viel vom ursprünglichen Charakter des Dorfes. Und inmitten des Dorfes ist ein Stück des alten Mühlekanales erhalten geblieben und zum Spielplatz umgenutzt worden.

Man könnte dem Glattlauf noch weit folgen, bis zur Mündung in den Rhein. Aber für heute lassen wir es gut sein, dunkle Wolken verdüstern den Himmel, die Bise frischt merklich auf. Der Winter kommt nochmals zurück. Und so nutzen wir eine der vielen Brücken über die Glatt, wechseln auf die andere Flusseite und ziehen gemütlichen Schrittes dem Glattlauf aufwärts.

Das Naturschutzgebiet bei Hochfelden, mit dem alten Glattlauf als Seitenarm, passieren wir auf dem Rückweg. In den Sandsteinfelsen nisten viele Vogelarten, Eisvögel sollen sich hier heimisch fühlen. Heute haben wir keinen gesehen, der Eisvogel mag wohl keine Bise. Wir auch nicht sonders.